pro bono gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt)  

für das Gute

 Albert-Schweitzer-Stiftung

                                                          Jahresrückblick 2014

                                 Pressemitteilung                               18. Januar 2015

 

Ob bei politischen Entscheidungen, der Zusammenarbeit mit Unternehmen oder der Information der Öffentlichkeit – die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt zieht eine positive Bilanz des vergangenen Jahres. »Neben dem Ausstieg aus dem Schnabelkürzen und dem Abschaffen von Käfig-Eiern in vielen Unternehmen und Studentenwerken konnten wir insbesondere die vegane Idee weiter verbreiten«, freut sich Mahi Klosterhalfen, geschäftsführender Vorstand der Stiftung. Auch von außen erhält die NGO starken Zuspruch: Die Organisation Animal Charity Evaluators wählte die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt von weltweit 155 Tierrechts- und Tierschutzorganisationen in ihre Top 7.

Ende von Käfig-Ei und Stopfleber

Die 2007 ins Leben gerufene Initiative »Käfigfreie Mensa« erzielte 2014 große Erfolge: Ob hartgekocht, im Salat oder als Brotbelag – Deutschlands Mensen verzichten zukünftig auf Käfigeier. 56 der insgesamt 58 deutschen Studentenwerke haben diesen Entschluss bereits in die Tat umgesetzt, die letzten befinden sich in der Umstellung. Neben den Studentenwerken konnten die Kampagnen der Stiftung zudem viele Firmen davon überzeugen, auf Tierqualprodukte zu verzichten. Die Liste der Unternehmen, die von der Stiftung vom Verzicht auf Käfigeier überzeugt wurden, ist um 25 Namen angewachsen, unter ihnen Branchenriesen wie Subway, Homann, Kuffler, McCain, Café Extrablatt und dessen Lieferant, die Gastro Service GmbH. Auch die Verwendung von Stopfleber in namhaften Gastronomien nimmt ab: Renommierte Hotelketten wie Meliá und Hyatt sicherten zu, keine Stopfleber mehr zu verkaufen. »Ein großer Erfolg war auch unsere Zusammenarbeit mit Starbucks: Dort wird seit einigen Monaten ein veganes Ciabatta angeboten«, führt Silja Kallsen-MacKenzie, die für die Stiftung verschiedene Unternehmenskampagnen leitet, weiter aus.

Ausstieg aus dem Schnabelkürzen

Mehr als 65 Millionen Legehennen bleibt zukünftig eine Grausamkeit erspart: Ab 2017 werden deutsche Supermärkte keine Eier mehr aus Betrieben zu beziehen, die bei der Haltung der Hennen auf das Schnabelkürzen der Tiere zurückgreifen. »Auf Grund der schlechten Haltungsbedingungen entwickeln die Legehennen Verhaltensstörungen und würden sich gegenseitig verletzen und töten, wenn man ihnen nicht als Küken die Schnabelspitzen entfernen würde. Wir setzen uns seit 2010 für ein Ende dieser Amputationen unter gleichzeitiger Verbesserung der Haltungsbedingungen ein«, erklärt Mahi Klosterhalfen, geschäftsführender Vorstand der Stiftung. »Der Beschluss, aus dem Schnabelkürzen auszusteigen, ist ein wichtiger Meilenstein und ein großer Erfolg unserer Kampagnenarbeit.« Auch die Tatsache, dass die Petition gegen die Massentierhaltung von knapp 100.000 Menschen unterstützt wurde und unter der Teilnahme von Mahi Klosterhalfen vor dem Petitionsausschuss des Bundestages erörtert werden musste, war ein wichtiger Schritt.

Information der Öffentlichkeit

»Die breite Öffentlichkeit konnten wir darüber hinaus mit unserem Kaufland-Projekt über die vegane Ernährung informieren«, erklärt Silja Kallsen-MacKenzie. Die Stiftung gestaltete eine Broschüre zu dem Thema, die auf der Kaufland-Webseite zum Download bereitsteht. Gleichzeitig berichtete Kaufland in seiner Kundenzeitschrift »TIP der Woche«, die über eine Auflage von mehr als 20.000.000 verfügt, auf zwei Seiten über vegane Ernährung. Einen weiteren wirkungsvollen Baustein bildet die GrunzMobil-Tour der Stiftung, die deutschlandweit über Massentierhaltung und vegane Ernährung informiert. »Im Zuge der Aktion konnten wir nahezu 15.000 neue Abonnenten für unseren Ernährungsnewsletter gewinnen«, freut sich Carsten Halmanseder, der bei der Stiftung für die Straßen- und Informationskampagnen verantwortlich ist. Zusätzlich konnte die Stiftung die Anzahl ihrer lokal tätigen Aktionsgruppen von sechs auf 21 erhöhen.

Vegan Taste Week

Vegan ist Trend! Doch wie funktioniert diese Ernährungsform eigentlich? Und welche Tipps erleichtern den Einstieg in das vegane Leben? Diese und mehr Fragen beantwortet ein weiteres Großprojekt der Stiftung, das im November 2014 an den Start ging: Die Vegan Taste Week. Im Rahmen einer Probierwoche werden selbst Fleischliebhaber durch einen täglichen Newsletter an die vegane Lebensweise herangeführt und mit schmackhaften Rezepten versorgt. »Nach nur knapp einem Monat haben bereits über 11.000 Menschen an der Vegan Taste Week teilgenommen. Daran zeigt sich, dass das Interesse der Bevölkerung an veganer Ernährung immer weiter wächst«, sagt Carsten Halmanseder. »Wir sind sicher, dass auch 2015 viele an der pflanzlichen Ernährung interessierte Menschen eine Woche als Probe-Veganer verbringen – und mindestens einige davon ihre Ernährung dauerhaft umstellen werden.«

Wissenschaft großgeschrieben

Das Wissenschaftsressort der Stiftung stützt die Arbeit der anderen Bereiche durch Evaluationen und Recherchen sowie bei der Ausarbeitung von Projekten wie der Vegan Taste Week und der Erstellung des Jahresberichts, der einen aus Bundesmitteln finanzierten Preis gewonnen hat. Im Jahr 2014 vernetzte es sich zudem mit Personen aus der Wissenschaft, anderen Organisationen sowie der Politik und brachte es sich aktiv beim Wir-haben-es-satt-Kongress ein. Es platzierte außerdem hochwertige Artikel in der Agrarzeitung sowie in den Kritischen Agrarberichten 2014 und 2015. »Wir freuen uns, dass wir damit unsere Position in die öffentlich und auch in der Fachwelt geführte Debatte um Tierschutzreformen und Tierrechte sowie um die Zukunft unserer Ernährung einbringen konnten«, sagt Konstantinos Tsilimekis, Leiter des Wissenschaftsressorts.

Weitere Erfolge

Um diesen Artikel übersichtlich zu halten, haben wir nicht alle Erfolge aus 2014 aufgeführt. Sehen Sie sich auch unsere vollständige Liste an.

 

 

 

Organisationen fordern Gesetz für Hummer

 

                              20. Januar 2015        Pressemitteilung

Bundesminister Schmidt soll Import und Verkauf lebender Tiere verbieten

In einem Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt fordern die fünf Tierrechtsorganisationen MENSCHEN FÜR TIERRECHTE – Tierversuchsgegner Baden-Württemberg e.V., Animals United e.V., SOKO Tierschutz e.V., Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt und die Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz einen besseren Schutz für Hummer.

Der Minister wurde aufgefordert per Gesetz ein Importverbot von lebenden Hummern unter Bezugnahme auf Art. 36 AEUV zu erlassen, sowie den Transport und den Verkauf lebender Hummer in Deutschland ebenfalls per Gesetz zu verbieten.

»Die Gründe hierfür liegen in dem wochenlang andauernden, qualvollen Prozedere, das mit dem Fang und der Hälterung der Hummer am Herkunftsort beginnt und mit ihrem Tod im Kühlschrank oder Kochtopf endet«, so Marie-Luise Strewe, Vorsitzende des Landesverbands MENSCHEN FÜR TIERRECHTE in Baden-Württemberg.

Bereits in den Herkunftsländern, meist in Kanada und den USA, werden die Hummer tage- bis wochenlang ohne Nahrung gehältert, bevor sie über tausende von Kilometern nach Deutschland transportiert werden. Zahlreiche Hummer werden mit zusammen gebundenen Scheren in feuchten Transportboxen bewegungslos übereinander gestapelt. Viele Tiere sterben auf der langen Strecke aufgrund des fehlenden Meerwassers. »Sobald man sie aus dem Wasser nimmt, ersticken sie langsam aber sicher«, so Strewe.

Die anschließende Unterbringung in deutschen Hälterungsanlagen ist ebenfalls nicht tiergerecht. Die in der Natur einzelgängerisch lebenden Hummer haben in den Becken kaum oder keine Rückzugsmöglichkeiten. Permanenter Stress führt zu Angriffen, Verletzungen, Kannibalismus.

In Deutschland gehören Hummer zu den wenigen Tierarten, die noch lebend verkauft werden dürfen. Oftmals werden sie bereits im Laden tierschutzwidrig in Plastiktüten ohne Meereswasser verpackt und so an Kunden und Gastronomen verkauft. Zuhause oder im Betrieb können diese die Hummer nach Belieben lagern und töten. Kontrollen zeigen, dass es immer noch gängige, wenn auch verbotene Praxis ist, die Tiere zunächst in den Kühlschrank zu stellen, wo sie langsam und qualvoll ersticken. Auch die nach der Tierschutzschlachtverordnung legale Methode, Hummer in sprudelnd kochendem Wasser zu töten, werten die Organisationen als Tierquälerei. Legt man Hummer in lauwarmes Wasser oder wirft man mehrere Tiere gleichzeitig in den Topf, erhöht sich Qual noch um ein Vielfaches.

Internationale Studien zeigen, dass Krebstiere ein Schmerzempfinden und ein Bewusstsein haben und zu kognitiven Leistungen wie Lernen, Erinnern und Assoziieren fähig sind.

Mit der im Grundgesetz verankerten Verpflichtung zum Tierschutz ist die beschriebene Praxis unvereinbar. Ein Import- und Verkaufsverbot lebender Hummer wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung.

 

 

Der kritische Agrarbericht 2015             23. Januar 2015

Am 15. Januar 2015 veröffentlichte das Agrar Bündnis e.V. eine neue Ausgabe des kritischen Agrarberichts. Damit liegt auch in diesem Jahr wieder ein hoch aktueller Blick auf die gegenwärtigen Entwicklungen in der Landwirtschaft vor. Das diesjährige Schwerpunktthema lautet »Agrarindustrie und Bäuerlichkeit«, doch auch viele weitere Themenbereiche werden in zahlreichen Einzelbeiträgen verschiedener Autoren abgehandelt. Wie schon im letzten Jahr zählt auch die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt wieder zu den Unterstützern des Berichts und ist mit einem eigenen Beitrag vertreten – dieses Mal mit Fokus auf den Konsum von Fischen und seine Alternativen.

Erhellende Beiträge zum Schwerpunktthema In der Einleitung des neuen Agrarberichts wird ein steigendes öffentliches Interesse an bäuerlicher Landwirtschaft festgestellt. Abgesehen davon, dass die Erwartungen der Gesellschaft in vielem an der landwirtschaftlichen Realität vorbeigingen – das grundsätzliche Interesse für das ländliche Leben und Wirtschaften könne gutgeheißen werden: »Denn nur so kann es gelingen, die Art und Weise, wie wir Landwirtschaft betreiben, Lebensmittel erzeugen und sie auf den Märkten handeln zu einem zentralen Thema unserer Gesellschaft zu machen.« Festgestellt werden auch die beiden Pole, zwischen denen die gegenwärtige politische Debatte um die Landwirtschaft verläuft und die im diesjährigen Bericht schwerpunktmäßig thematisiert werden: »Agrarindustrie und Bäuerlichkeit«.

In den Fokus genommen werden dabei etwa die aktuell heiß debattierten Freihandelsabkommen TTIP und CETA, prekäre lobbyistische Verflechtungen innerhalb der Agrarpolitik, die zunehmende Kommerzialisierung des Lebens durch den Bereich der Bioökonomie (mit grundlegenden Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt), agrarindustrielle Bestrebungen in der Entwicklungspolitik und nicht zuletzt die industrielle Tierhaltung, die u. a. mit einem hohen Antibiotikaeinsatz einhergeht und zur Ausbildung von multiresistenten, auch für den Menschen gefährlichen Keimen (MRSA) beiträgt. Gefragt wird zudem aber auch generell danach, was bäuerliches Wirtschaften überhaupt bedeutet und bedeuten kann.

Aktuelle Tierschutzentwicklungen

Gleichsam umfassend wie kompakt stellt der Agrarbericht die aktuellen Entwicklungen im Tierschutz vor. Zur Sprache kommen dabei die beiden aktuellen »Tierwohl-Initiativen« des Bundeslandwirtschaftsministeriums einerseits und des Handels (QS-Tierwohl-Initiative) andererseits, das Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen und das Klonen von Tieren zur Lebensmittelerzeugung. Ebenso das routinemäßige Kupieren von Schwänzen bei Schweinen und das Verbot des Schnabelkürzens für die meisten der für den deutschen Markt Eier legenden Hennen, das mitunter durch die (an der entsprechenden Stelle leider nicht genannten) Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt erwirkt wurde. Darüber hinaus wird der Leser über noch nicht ausreichende oder sogar gänzlichen fehlende Haltungsvorgaben für Tierarten wie Mastkaninchen, Enten, Gänse und Puten, die erlassenen oder geplanten Verbote des millionenfachen Tötens von männlichen Küken in Nordrhein-Westfalen und Hessen sowie auch über die Praxis der Schlachtung trächtiger, d. h. schwangerer Kühe informiert.

Als ein dem Schwerpunktthema des Agrarberichts besonders nahe kommender Tierschutzbeitrag kann die Aufarbeitung der »praktisch konkurrenzlose[n] und weitgehend geheime[n] Machtkonzentration auf dem Gebiet der Tierzucht« genannt werden. Hier wird aufzeigt, auf welchen Wegen und in welchen Maßen sich derzeit rund um die Tierzucht eine »livestock genetics«-Industrie (Tiergenetikindustrie) aufbaut, die »auf weitere Konsumsteigerungen tierischer Proteine« hinarbeitet, »als hätten wir eine zweite Erde.« Politisch gefordert wird in diesem Zusammenhang vom Agrarbericht u. a., die industrielle Tierhaltung und -züchtung (inkl. Aquakultur) nicht weiter durch Subventionen zu stützen.

Alternativen zu Tierproduktion und -konsum

Neben der Forderung nach der Abkehr von der Subventionspolitik in der Tierproduktion ergeht aus dem Agrarbericht – mit Hinweis auf die stark umweltschädlichen, düngebedingten Stickstoffüberschüsse in der Landwirtschaft – erfreulicherweise auch die Forderung, die gegenwärtig vielfach hörbaren Appelle zur Reduktion des Fleischverbrauchs in Deutschland durch politische Maßnahmen zu flankieren. Hierbei wird sogar die entschieden progressive Frage gestellt: »Warum kein Werbeverbot für Fleischwaren aussprechen? « Und in einem Beitrag zur Tierschutz verhindernden Billigpreispolitik des Handels heißt es: »Fleischverzicht ist der direkteste Weg zu mehr Tierschutz.«

Dass nicht nur die Abkehr vom Fleischkonsum, sondern gerade auch die positive Hinwendung zu einer gänzlich tierproduktfreien Ernährungsweise zu mehr Tierschutz beiträgt und große Potentiale für eine Agrarwende in sich birgt, wird durch einen Beitrag deutlich, der sich mit dem Veganismus als politisches Statement beschäftigt. Hierbei wird u. a. festgehalten, dass eine gesunde Ernährung auf rein pflanzlicher Basis möglich ist und der vegane Konsumstil »die Debatte um die notwendige Veränderung des agroindustriellen Systems« vorantreibt. Eingebettet in diesen Beitrag findet sich zudem noch ein Interview mit Lisa Brünjes und Silke Lamla vom Bio-Veganen Netzwerk (BVN) sowie mit Konstantinos Tsilimekis, Leiter des Wissenschaftsressorts der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, in dem der bio-vegane Landbau als machbare und erstrebenswerte landwirtschaftliche Alternative vorgestellt wird.

In einem eigenen Beitrag stellt Konstantinos Tsilimekis schließlich noch gemeinsam mit Anne Bohl, Referentin für Gesundheit und Evaluation im Wissenschaftsressort der Albert Schweitzer Stiftung, die Frage »Immer mehr Fisch auf den Tisch?«, um anschließend auch für die vom Menschen konsumierten Meerestiere die Umstellung auf sowie die Förderung von Ernährungsalternativen zu fordern.

Fazit

Mit einer Vielzahl von hochwertigen Artikeln gelingt es dem kritischen Agrarbericht 2015, seinem Schwerpunktthema gerecht zu werden und die Potentiale einer bäuerlichen sowie die Gefahren einer industrieorientierten Landwirtschaft mehr als zu verdeutlichen. Darüber hinaus gerät auch der Blick insbesondere auf die Tierproduktion und den -konsum nicht zu kurz. Als eine der wichtigsten jährlichen Agrarveröffentlichungen ist auch dieser äußerst informativen Ausgabe wieder eine große Leserschaft und – bezüglich der Forderungen des Berichts – insbesondere auch das Gehör der Politik zu wünschen.

Der kritische Agrarbericht 2015 erschien am 15. Januar 2015 als Buch (304 Seiten, € 22,00 zzgl. Porto) und kann direkt über den ABL Verlag bestellt werden. Das Editorial, das Inhaltsverzeichnis sowie ein Infoflyer können auch online eingesehen werden.

 

 

Galeria Kaufhof: keine Stopfleber mehr

10. Februar 2015

 

Pressemitteilung

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt gratuliert der Warenhauskette GALERIA Kaufhof GmbH zu einem wegweisenden Schritt: Das Unternehmen verkauft seit Anfang 2015 keine Stopfleber-Produkte mehr. »Wir freuen uns sehr über diese vorbildliche Entscheidung für den Tierschutz«, sagt Silja Kallsen-MacKenzie, Leiterin der Unternehmenskampagnen der Stiftung. »Nun ist es an der Zeit, dass weitere Warenhäuser, allen voran das KaDeWe, gleichziehen.«

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt fügt ihrer Liste stopfleberfreier Unternehmen einen weiteren wichtigen Namen hinzu: Galeria Kaufhof hat sich nach Gesprächen mit diversen Tierschutzorganisationen deutlich gegen den Verkauf entsprechender Produkte ausgesprochen. Nachdem bis Ende des Jahres 2014 noch Restbestände verkauft worden waren, befinden sich ab sofort keine Stopfleberprodukte mehr in den Regalen der 24 deutschen Galeria-Kaufhof-Filialen mit Gourmet-Abteilung.

Silja Kallsen-MacKenzie leitet die Unternehmenskampagnen der Albert Schweitzer Stiftung und freut sich über den Schritt: »Galeria Kaufhof hat eine vorbildliche Entscheidung getroffen. Die Stopfleberproduktion geht mit einer unermesslichen Qual für die betroffenen Gänse und Enten einher. Der Stopfleber-Ausstieg setzt ein wichtiges Zeichen für den Tierschutz und ist wegweisend für die gesamte Branche.« Auf entsprechende Reaktionen hofft die Stiftung vom KaDeWe, das seit einiger Zeit behauptet, die Lage zum Thema Stopfleber zu prüfen. Kallsen-MacKenzie kommentiert: »Die Fakten liegen schon lange auf dem Tisch. Es ist an der Zeit, dass das KaDeWe Konsequenzen zieht und aus dem grausamen Handel mit Stopfleber aussteigt.«

Neben Deutschland verbieten bereits 13 europäische Länder die Produktion von Stopfleber. Auch nach dem europäischen Tierschutzrecht ist die Stopfleberproduktion illegal. Das Problem: Es fehlt ein Gesetz, das den Import und den Verkauf der Qualprodukte regelt. Vor allem Frankreich und Ungarn exportieren Stopfleber-Produkte nach Deutschland. Mit ihrer Stopfleberstopp-Kampagne hat die Albert Schweitzer Stiftung bereits viele Unternehmen aus Handel und Gastronomie vom Verzicht auf Stopfleber überzeugt und mit einer Petition an EU-Kommission und Agrarrat bereits über 21.000 Unterschriften gegen die Stopfleberproduktion gesammelt. Eine Aufforderung von Animal Equality an die KaDeWe-Geschäftsführung, den Stopfleberhandel zu stoppen, unterstützen schon über 7.000 Menschen.

 

 


 

 

Lassen Sie sich von dieser Broschüre inspirieren, vielleicht ist sie der letzte Kick, um sich besser zu ernähren und gleichzeitig etwas für Tiere und Umwelt zu tun!

 

 

 

 

Bodenatlas 2015 – Rezension

5. März 2015


Der Boden ist eine der wichtigsten und wertvollsten Ressourcen der Nahrungsmittelproduktion. Von seiner beständigen Qualität und seiner ausreichenden Verfügbarkeit als bewirtschaftbare Fläche hängt in entscheidendem Maß die Zukunft der globalen Ernährungssicherung ab. Bereits jetzt schon existieren jedoch zahlreiche Probleme, die aus einer intensiven Bodenbewirtschaftung insbesondere der westlichen Industriestaaten resultieren und die einer nachhaltigen Nutzung der Ressource Boden entgegenwirken. Der Anfang 2015 erschienene Bodenatlas – der vor dem Hintergrund des internationalen Jahres des Bodens veröffentlicht wurde – geht diesen Problemen auf den Grund.

Breites Themenspektrum im Bodenatlas

Der Bodenatlas behandelt sein Hauptthema über ein breites Spektrum an Einzelthemen: Grundlagen zur Kulturgeschichte und zum Ökosystem des Bodens sowie Informationen zur klimatisch wichtigen Funktion von Böden als Kohlenstoffspeicher sind im Bodenatlas ebenso zu finden wie eine Zusammenfassung der Probleme, die durch den Intensivfeldbau und die intensive Nutzung von Düngemitteln entstehen. Weitere Themen sind die Verluste von Land durch Städte- und Tagebau, Schwierigkeiten, die bei Versuchen der Umverteilung von Böden auftreten, sowie Belastungen der Natur durch den Anbau von Biokraftstoffen. Sehr informativ geht der Bodenatlas auch auf das Thema Landnahme (sog. »Land Grabbing«) ein, die gerade von europäischer Seite aus sehr stark betrieben wird und zum Teil verheerende Konsequenzen in anderen Teilen der Welt hat. Die vielen Einzelthemen wurden mit zahlreichen Daten, Fakten und Grafiken in einer auch für Laien verständlichen Weise aufgearbeitet.

Fleischkonsum und Futtermittelanbau

Als besonders wichtige Kapitel des Bodenatlasses können diejenigen hervorgehoben werden, in denen die Probleme eines zu hohen weltweiten Fleischkonsums verdeutlicht werden. So wird u. a. aufgezeigt, dass für die Produktion von Futtermitteln rund ein Drittel der weltweiten Anbauflächen verwendet wird. Die Futtermittelproduktion gilt insgesamt als eine der Hauptursachen für die Abholzung des Regenwalds in Südamerika. Der intensive Anbau von Monokulturen mit seinem hohen Einsatz von Pestiziden und chemischen Düngemitteln wird als weiteres Problemfeld der Futtermittelproduktion benannt – ein Abbau des Humusgehalts der Böden und eine damit einhergehende Schrumpfung des Lebensraums für wichtige Bodenorganismen sind hier die Folgen. Insbesondere die hohe Stickstoffbelastung durch chemische Düngemittel sowie auch die zu hohen Mengen an tierlichem Dünger schädigen nicht nur Böden; der Stickstoff wird außerdem in Flüsse gespült, sickert ins Grundwasser ab und verunreinigt so Trinkwasserquellen.

 

Laut Bodenatlas ist der weltweite Zustand der Böden alarmierend. Allein schon 45 % der europäischen Böden weisen erhebliche Qualitätsmängel auf. Gesteigert werden könne die derzeitige Bodenqualität auch durch eine Abkehr von der intensiven Art der Bodenbewirtschaftung, wie sie in der Futtermittelproduktion üblich ist.

Fleischkonsum und Land

»Europa ist der Kontinent, der am stärksten von Land außerhalb seiner Grenzen abhängig ist.« So erklärt der Bodenatlas, dass jeder Europäer mit durchschnittlich 1,3 Hektar Land jährlich sechsmal so viel Land verbraucht wie ein Einwohner Bangladeschs. Fast 60 % dieses Lands liegen außerhalb der EU. Insgesamt beträgt der europäische Land-Fußabdruck 640 Millionen Hektar pro Jahr – das entspricht eineinhalb Mal der Gesamtfläche der EU.

Zusätzliches Land wird dem Bodenatlas zufolge gerade in solchen Staaten in Anspruch genommen, deren Bevölkerung selbst nicht ausreichend mit Grundnahrungsmitteln versorgt werden kann. So müsse man sich eingestehen, dass ein kleiner Teil der Weltbevölkerung, der zumeist aus den westlichen Industrieländern stammt, mehr Land verbraucht als ihm zusteht. Dieser gewaltige Bedarf einiger Länder an Land wirkt sich negativ auf die Umwelt, das Sozialwesen und die Wirtschaft der betroffenen Regionen aus. »In Entwicklungsländern trägt er massiv zu einer Zerstörung des Ökosystems, zu Grundstückskäufen im großen Stil (dem ‚Land Grabbing‘) und zur Umsiedlung von Indigenen bei«, schreiben die Autoren. Dabei hat der International Resources Panel der UN errechnet, dass jeder Europäer bei fairer Teilung insgesamt nur 0,2 Hektar Land pro Jahr nutzen dürfte – weniger als ein Drittel eines Fußballfelds und weniger als ein Sechstel dessen, was er derzeit verbraucht.

Informative Publikation zu wichtigem Thema

Der Bodenatlas 2015 fasst eine Vielzahl an wichtigen Themen, die mit der globalen Bodennutzung in Verbindung stehen, übersichtlich und eingängig zusammen. Damit weist er auf einen Themenkomplex hin, der in den Medien zumeist weniger stark thematisiert wird als andere ökologische Problemstellungen. Diese Publikation zeigt, wie wichtig der Schutz der Böden ist und welche Verantwortung besonders Konsumenten aus den westlichen Industriegesellschaften tragen.

Der Bodenatlas 2015 ist unter anderem hier frei als PDF-Datei erhältlich.

 

 

Schlachthof-Aktion: 5 Tage, 5 Städte

 

15. März 2015

                              Foto: Timo Stammberger

 

In der letzten Woche war unser Straßenkampagnen-Team in fünf deutschen Städten unterwegs, um mit einer außergewöhnlichen Aktion über die Missstände in deutschen Schlachthöfen zu informieren: Wir haben Passantinnen und Passanten einen Euro angeboten, wenn sie den Mut hatten, sich einen dreiminütigen Film über die Schlachtung von Rindern oder Schweinen anzusehen. Um Ihnen einen persönlichen Eindruck dieser besonders emotionalen Aktionstour zu geben, veröffentlichen wir hier das Tagebuch sowie Fotos unseres Straßenkampagnen-Teams.

Für die Bereitstellung der Schlachtaufnahmen bedanken wir uns herzlich bei Kilian Dreißig. Sie können sich die Filme hier und hier online anschauen.

Montag, 9. März: München

Unser Aktionsstand wird mit großem Interesse und viel Neugierde aufgenommen. Wir sagen den Vorbeikommenden, dass wir einen gläsernen Schlachthof aufgebaut haben und bieten ihnen an, sich jetzt in der Fußgängerzone das anzuschauen, was sonst im Verborgenen passiert.

Die meisten Menschen, die sich unsere Filme ansehen, wollen danach kein Geld von uns. Vielmehr sind sie bestürzt und nachdenklich. Auf die Frage, wie es ihm nach dem Ansehen unserer Aufnahmen geht, kann ein etwa 25-jähriger Mann gar nicht richtig antworten. Er sagt, dass er das Gesehene erst einmal verarbeiten müsse. Ein Mann Ende vierzig sieht sich die Filme an und beginnt zu weinen. Andere schaffen es nicht, die Filme bis zum Ende anzusehen.

Viele möchten die Filme ganz bewusst gar nicht anschauen, zeigen sich aber sehr interessiert an unseren Informationen zur veganen Ernährung. Diese sind auch das einzig Aufmunternde, was wir den sichtlich bewegten Menschen mit auf den Weg geben können: Mit jedem Einkauf im Supermarkt, bei jedem Restaurantbesuch, bei jedem Kochabend mit FreundInnen können wir ein Zeichen gegen Tierleid setzen.

Über 800 Millionen Tiere werden jedes Jahr in Deutschland getötet. Wie ihre Schlachtung abläuft, ist den meisten Menschen durchaus bewusst, aber trotzdem sind die Bilder schwer zu ertragen: »Es gibt kein humanes Schlachten«, sagt ein Passant. Und ein weiterer: »Ich esse gern Fleisch. Aber diese Bilder sind schon schlimm.« Dass es im Schlachthof keine Rolle spielt, ob ein Tier zuvor auf einem Bauernhof, der nach EU-Biorichtlinien arbeitet, oder auf einem konventionellen Betrieb gelebt hat, ist vielen Menschen nicht bewusst. Doch im Schlachthof werden diese Tiere gleich behandelt.

Dienstag, 10. März: Frankfurt

Heute haben wir einen Restaurantplan zum Verteilen dabei, auf dem alle Frankfurter Restaurants mit veganem Angebot verzeichnet sind. Die Menschen sind sehr interessiert und nehmen den Plan gerne mit.

Wir sind beeindruckt davon, dass sich viele junge Menschen für das Thema interessieren und die Filme ansehen wollen. Einige SchülerInnen berichten von Referaten über Massentierhaltung, die sie für die Schule vorbereiten. Das Mindestalter für das Anschauen der Videos haben wir allerdings bei sechzehn Jahren angesetzt, da die Szenen sehr gewaltvoll sind.

Eine Frau erzählt, dass sie bereits vor einigen Wochen ähnliche Filme bei YouTube angesehen hat: »Bis nachts um drei. Danach wusste ich, dass ich keine Tiere mehr essen werde.« Drei Passanten finden unsere Aktion so wichtig, dass sie uns spontan für einige Stunden unterstützen. Einem jungen Mann wird nach dem Anschauen der Videos schlecht: Er muss sich erst einmal hinsetzen.

Mittwoch, 11. März: Hannover

Wir freuen uns heute besonders über viele jugendliche VegetarierInnen, die unseren Stand besuchen. Einige Heranwachsende hingegen kommen mit betont cooler und lässiger Miene zu uns, doch während unsere Videos laufen, entgleiten auch ihnen die Gesichtszüge. Einige Menschen wollen uns Geldspenden geben, aber wir ermuntern sie, das Geld lieber in einen veganen Döner oder einen veganen Burger zu investieren. Ein junger Mann findet unsere Aktion so toll, dass er sich spontan unserer Aktionsgruppe in Hannover anschließt. »Toll, was ihr macht!«, sagt er. »Eine wirklich super Aktion!«

Auf der Straße rufen wir, »Hinschauen statt wegsehen! Mitgefühl statt Gleichgültigkeit! Wir können weiterlaufen. Die Tiere können das nicht. Wir können wegsehen. Die Tiere können das nicht. Wir können gleichgültig sein. Die Tiere können das nicht.« Als wir rufen: »Massentierhaltung abschaffen fängt auf Ihrem Teller an!«, sagt ein Mann: »Das fängt im Kopf an«. Und wir stimmen ihm vollkommen zu.

Donnerstag, 12. März: Hamburg

Auch in Hamburg schaffen es viele Menschen nicht, unsere Videos bis zum Ende anzusehen. Vielen fällt es schwer, danach über ihre Eindrücke zu sprechen. Sie brauchen erst einmal Zeit, um das Gesehene zu verarbeiten. Ein 80-Jähriger erzählt: »Als junger Mann habe ich Schlachter gelernt. Aber nach vier Monaten konnte ich das nicht mehr. Es hat mir so leid getan. Ich bin ansonsten ein harter Hund, aber wenn ich kleine Ferkel sehe, dann werde ich ganz emotional. Auch jetzt noch, wenn ich davon erzähle.« Eine ältere Dame erzählt von ihren veganen Enkeln: »Sie kommen mich bald besuchen und haben mir schon eine Liste geschrieben, was ich einkaufen kann! Ich selbst esse seit zwei Jahren kein Fleisch mehr und es geht mir wunderbar.«

Freitag, 13. März: Berlin

Am Breitscheidplatz sind viele internationale Touristen unterwegs und so rufen wir: »Stop factory farming! Go vegetarian! Go vegan!«

Es wird wieder einem jungen Mann schlecht, nachdem er das Video gesehen hat – er muss sich hinsetzen und Wasser trinken. Natürlich ist es nicht unser Ziel, möglichst viele Menschen zum Kollabieren zu bringen, aber solche Situationen verdeutlichen doch, dass die Schlachtaufnahmen nicht spurlos an mitfühlenden Menschen vorbeigehen.

Drei junge Männer kommen gerade von KFC, einer von ihnen hat einen Eimer Chicken-Nuggets im Arm. Wollen sie unser Video anschauen? »Auf keinen Fall!«, ruft der mit den Nuggets und eilt davon. Doch seine Freunde bleiben stehen und unterhalten sich mit uns, also kommt er doch wieder zurück. Wir sprechen kurz miteinander – vielleicht hat unsere Aktion die Männer ja nachdenklich gestimmt.

Fazit

Während unserer Aktionswoche haben wir weniger als 100 € ausgezahlt. Nur etwa jedeR Fünfte hat den Euro von uns entgegengenommen. Manche sagten, dass sie den Betrag spenden wollen und betonten, wie gut und wichtig sie die Aktion finden. Andere waren mit dem Gesehenen womöglich noch so beschäftigt, dass sie ganz vergaßen, ihren Euro abzuholen. Unser Ziel bestand darin, Menschen einen zusätzlichen Anreiz zum Hinschauen und Nachdenken zu geben. Wir haben uns über alle gefreut, die sich die drei Minuten Zeit genommen haben, um hinzuschauen statt wegzusehen. Sie haben sich für Mitgefühl und gegen Gleichgültigkeit entschieden und drei Minuten lang mitverfolgt, was die Tiere ihr ganzes Leben lang ertragen müssen.

Wenn Sie einen Beitrag gegen die Zustände in Schlachthöfen leisten wollen, dann:

 

Süddeutsche Zeitung

 11. April 2015, 17:59 Uhr 

Umweltschutz Deutschland stößt viel mehr Ammoniak aus als gedacht

 

Seit 2010 dürfen EU-Länder nur mehr 550 000 Tonnen Ammoniak im Jahr emittieren.

Deutschland lag von 2010 bis 2013 jedes Jahr mindestens 100 000 Tonnen über dieser Marke.

Das Gas schädigt Boden, Pflanzen und Klima. Es entsteht hauptsächlich den Mist der Viehwirtschaft.

 

Von Daniela Kuhr, Berlin

Ammoniak hat einen beißenden Geruch, der einem den Atem rauben kann. Menschen, die in der Nähe einer Hühnerfarm wohnen, kennen ihn und leiden oft darunter. Es ist der Geflügelmist, der so stinkt. Aber auch in der Rinder- und Schweinehaltung wird Ammoniak freigesetzt. Jetzt stellt sich heraus: Die Ammoniak-Emissionen der deutschen Landwirtschaft überschreiten seit Jahren die erlaubten Höchstgrenzen. Das geht aus der Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Demnach lagen die Emissionsmengen in Deutschland in den Jahren 2010 bis einschließlich 2013 jeweils deutlich über 600 Kilotonnen, 2011 sogar bei 675 Kilotonnen. Laut EU hätten jedoch 550 Kilotonnen nicht überschritten werden dürfen. "Dass die Lage so dramatisch ist, hatte sich keiner ausgemalt", sagt Bärbel Höhn (Grüne), Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag. "Jetzt ist klar, dass viel konsequentere Maßnahmen zur Emissionsminderung ergriffen werden müssen."

 

Berechnungen internationalen Standards angepasst

Ammoniak schädigt die Umwelt gleich in mehrfacher Hinsicht. Es macht den Boden sauer, kann Pflanzen und Wälder schädigen und belastet indirekt das Klima, weil etwa zwei Prozent des eingetragenen Ammoniaks zu Lachgas umgewandelt wird, welches in die Atmosphäre entweicht. Nach Angaben des Umweltbundesamts entstehen die Ammoniak-Emissionen zu 95 Prozent in der Landwirtschaft und dort vor allem in der Tierhaltung.

Seit 2010 dürfen in Deutschland nur noch maximal 550 Kilotonnen Ammoniak emittiert werden. Dazu hat sich der Bund gegenüber der EU verpflichtet. Überprüft wird das anhand der Emissionsmengen, die die Bundesregierung jährlich nach Brüssel meldet. Dass Deutschland noch keinen Ärger bekommen hat angesichts der ständigen Grenzwert-Überschreitungen, hat einen einfachen Grund: Die Bundesregierung hatte für die Jahre 2010 bis 2013 zunächst deutlich geringere Ammoniak-Emissionen gemeldet. Sie lagen fast durchgehend unter 550 Kilotonnen. Weil man inzwischen jedoch auf "internationale Standards" umgestellt habe, hätten die Zahlen neu berechnet werden müssen, sagt ein Sprecher des Umweltministeriums. Und diese neuen, deutlich höheren Zahlen wurden erst im vergangenen Dezember nach Brüssel gemeldet. Ob und wie die EU darauf reagiert, ist noch offen. Für die Grünen-Politikerin Höhn ist jedoch viel entscheidender, wie der Bund selbst darauf reagiert, dass in Deutschland viel zu viel Ammoniak emittiert wird. "Wir fordern umgehend Aufklärung darüber, welche Überlegungen im Umwelt- und Landwirtschaftsministerium seit Dezember angestellt wurden, um die vereinbarte Höchstgrenze einzuhalten", sagt sie.

"Viel zu viele Tiere in viehdichten Regionen"

Das Umweltministerium reagiert prompt. Die Neuberechnung habe gezeigt, dass die Ammoniakemissionen in Deutschland in den letzten Jahren deutlich über der zulässigen Höchstmenge lagen, sagt Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth. "Der Handlungsbedarf ist offensichtlich. Das bestärkt uns, die Düngeverordnung jetzt schnell auf den Weg zu bringen und so zu gestalten, dass die Landwirtschaft die Ammoniak-Emissionen nachhaltig absenkt." Grünen-Umweltpolitikerin Höhn reicht das jedoch nicht. "Die Geflügelbestände sind in den letzten Jahren explodiert", kritisiert sie. "Insgesamt sind in den viehdichten Regionen . Das halten die Ökosysteme nicht länger aus." Man müsse dringend zu einer anderen Landwirtschaft zurückkehren. "Wo schon heute zu viele Tiere in einer Region sind, dürfen keine weiteren Stallbauten mehr genehmigt werden."

http://www.sueddeutsche.de/

 

 

Petition gegen Vollspaltenböden

21.05.2015


Die Schweinefleisch-Industrie ist kurz davor, ihre tierquälerischen Vollspaltenböden EU-weit als »beste verfügbare Technik« anerkannt zu bekommen. Bitte unterzeichnen Sie unseren Eil-Appell, um das zu verhindern!

Vollspaltenböden bedeuten, dass im gesamten Lebensbereich der Schweine Spalten im Boden eingelassen sind, durch die Kot und Urin in darunterliegende Auffangvorrichtungen abfließen. Die Tiere können daher in den meisten Ställen weder fressen noch ruhen, ohne permanent Schadgasen ausgesetzt zu sein, die u. a. zu Lungenentzündungen führen. Vollspaltenböden führen außerdem zu vermehrten Verletzungen und Gelenksentzündungen. Weil diese Böden durch Stroheinstreu verstopfen würden, ist es praktisch unmöglich, den Schweinen nennenswerte Mengen Stroh und damit zumindest ein bisschen Komfort und Beschäftigungsmöglichkeit zu geben.

Helfen Sie den Schweinen mit Ihrer Unterschrift!

Wenn Vollspaltenböden von der EU als beste verfügbare Technik anerkannt werden, wie es derzeit in einem Entwurf vorgesehen ist, dann trägt das zur Zementierung des katastrophalen Status quo in der Schweinezucht und -mast bei. Unsere Bundesministerien für Landwirtschaft und Umweltschutz müssen helfen, das zu verhindern, indem sie sich innerhalb der nächsten Wochen in den Verhandlungen gegen diesen Schritt einsetzen und bei der Abstimmung dagegen stimmen. Unterzeichnen Sie deshalb noch heute unseren Eil-Appell an Minister Schmidt und Ministerin Hendricks!

Hintergrundinformationen finden Sie auf der Appellseite.

Ihr
Mahi Klosterhalfen | Geschäftsführender Vorstand

PS: Um noch mehr zu helfen, leiten Sie diese E-Mail bitte großzügig weiter.


Spendenkonto: IBAN: DE36 5335 0000 0094 0044 46