pro bono gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt)  

für das Gute

 

Tierschutz geht uns alle an!

 

 

Tiere spielen in unserer Gesellschaft eine große Rolle. In vielen Haushalten leben ein oder mehrere vierbeinige oder geflügelte Mitbewohner, immer öfter auch Exoten, leider nicht immer zum Guten dieser Spezies. In der Regel werden "Hund, Katze, Maus" als vollwertiges Familienmitglied angesehen, geliebt und gut um- bzw. versorgt. Davon können die Mehrzahl unserer sog. Nutztiere leider nur träumen. Die heile Welt der Kuh mit Kalb auf grüner Weide, dem Schwein in der Suhle oder den Hühnern in Freiheit findet sich überwiegend in Bildform zur Werbung passender Produkte oder in Kinderbüchern. Der Begriff "Massentierhaltung" ist selbst erklärend. Woran liegt es? An dem Wunsch des Verbrauchers nach schnell - viel - billig. Da bleibt das Tier auf der Strecke.

Aber es gibt auch Defizite in der Haustierhaltung. Noch immer fristen Hunde Ihr Dasein in Zwingern, in Kettenhaltung oder in irgendwelchen Gartengrundstücken, ohne soziale Kontakte.

Noch immer werden zu wenig Freigänger-Katzen kastriert, gerade im ländlichen Raum entsorgt man den Nachwuchs kurzerhand auf vielerlei Arten. Die Mär von kastrierten Katzen, die keine Mäuse mehr fangen hält sich tapfer in den Köpfen. Man könnte so viel Elend unter den Tieren verhindern. Eine weibliche Katze kann 2-mal jährlich gebären, meist sind die Würfe zwischen 4-6 Welpen stark, diese sind mit ca. 6 Monaten bereit, sich wiederum zu vervielfachen......da kommt nach kurzer Zeit einiges zusammen. So niedlich sie auch sind..........da sollten Vernunft und Verantwortungsgefühl an erster Stelle stehen.

Ebenso haben viele Kleintiere nicht gerade den 1. Preis in der Haltung, Unterbringung und Versorgung erwischt. Zwergkaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Farbratten und - mäuse, Chinchillas werden oft als "Kinderspielzeug" angeschafft, und da fängt das Leiden der possierlichen Tierchen meist an. Das Ansinnen, den Kindern damit Verantwortung beizubringen, funktioniert nur durch Unterstützung der Erwachsenen, durch erklären, vormachen und überwachen.

Oft wird die Versorgung den Kindern überlassen, wenn dies nicht klappt, leiden die Tiere still in ihren Käfigen vor sich hin, nicht selten bis sie sich vorzeitig "verabschieden".

Sollten Sie sich überlegen, eines der oben genannten Tiere anzuschaffen, können Sie sich hier unter den entsprechenden Rubriken über eine artgerechte Haltung informieren.

Wenn sich Erwachsene und Kinder einig sind und eng zusammenarbeiten, kann die Zeit der Tierhaltung für alle Beteiligten wunderbar sein. 

 

Der typische Tierfreund von Dr. Gunter Bleibohm

Kennst du den typischen Tierfreund? Er ist vielleicht dein Nachbar oder dein Verwandter und begegnet dir täglich. Oder bist du es gar selbst?

Ich sage dir, wie er ist, wie du ihn erkennst, wie er denkt und handelt.

Der typische Tierfreund ist normalerweise Mitglied im örtlichen Tierschutzverein und zahlt seinen Jahresbeitrag von 30 Euro mit dem guten Gefühl, Tieren zu helfen. Dies verhilft ihm zur Zufriedenheit, weil er ja ein gutes Werk getan hat. Natürlich kann man das nicht an die große Glocke hängen, die Kinder in Afrika hungern ja auch und sind schließlich Menschen. Egal, sei´s drum, er hat sich als Tierfreund eben entschlossen, diesem Verein zu helfen und tatkräftig finanziell zu unterstützen.

Gelegentlich krault er einen Hund und eine Katze hinter dem Ohr und freut sich über alle Tiere in seiner Straße. Natürlich weiß er, dass gegenüber die Kaninchen und der Haushund nicht gut gepflegt werden und von den Kindern gequält werden. Aber- und ab sofort bin ich der typische Tierfreund- soll ich mich wegen eines Tieres mit dem Mann von gegenüber anlegen, ihn gar ansprechen und den Tieren helfen? Also wirklich, so schlimm wird es doch nicht sein und ich setze doch nicht meine gute Nachbarschaft aufs Spiel. Das musst du doch verstehen, oder?

Ostern freuen wir uns alle, die ganze Familie, besonders die Kinder, über die süßen Lämmchen, die wir auf der Weide gesehen haben, wie sie hüpfen und bei der Mutter trinken- allerliebst. Aber ich frage dich allen Ernstes, soll ich deswegen bei der Einladung auf den wunderbaren Lammbraten mit Rosmarinkartoffeln verzichten? Wem hilft das, das Lamm ist eh schon tot- tut mir ja leid, aber war ja wohl schon immer so und sind Schlachttiere nicht zum essen da und man muss wirklich nicht päpstlicher als der Papst sein.

Ich sage euch was, ich tue schon viel für den Tierschutz! Meine Frau kauft nur Bio-Eier und unser Fleisch - also den Fleischkonsum haben wir ja reduziert nach allem ,was man so liest - unser Fleisch kommt aus Deutschland, einwandfreie Qualität, vom Bauern. Kein Transport, werden auf dem Hof geschlachtet.

Klar sterben die, aber auf der Weide konnten sie doch leben- welches Tier kann das schon! Die Nachbarn kaufen aus Massentierhaltung, das sind Leute, die haben Null Gefühl für Tiere. Aber was soll man machen, muss jeder selber wissen, ob er diese Quälerei unterstützt, kommt ja täglich im Fernsehen. Man weiß ja schließlich, was die alles Grausame mit den Tieren anstellen- diese Figuren werden sich wohl nie ändern, sollen sich mal ein Beispiel an mir nehmen, bin aktiver Tierfreund, bin doch Mitglied im Tierschutzverein!

Trotzdem, auf Fleisch könnt ich nicht verzichten, da würde mir echt was fehlen, tut mir leid. Du weißt doch auch, dass die Vegetarier sich einseitig ernähren, schau sie nur an, gesund ist das bestimmt nicht! Ist mir zu extrem, immer Salat und Müsli. Da muss man schon manchmal über seinen Schatten springen wegen der Tiere, die getötet werden, aber in China essen die sogar Hunde, ich doch nur Schwein und Kuh.

Nee, selber könnt ich kein Tier umbringen, macht der Schlachter – Gott sei Dank - für mich. Außerdem betäubt er die Tiere ja vorher, die merken nichts. Du kennst mich doch, bin sensibel, kann kein Blut sehen und beim Zahnarzt brauch ich immer eine Spritze. Ach so, Spritze. Natürlich braucht man Tierversuche, ist ja schließlich für unsere Gesundheit, für den Menschen. Ich arbeite doch selber in einer Firma, die Versuche macht. Sind aber nur ein paar Mäuse und Ratten. Doch, ja noch einige Hunde. Wenn die überleben, das tun ja einige, gehen die sogar ins Tierheim, die nehmen da sogar Tiere, die wir bei unseren Versuchen verkrüppelt haben. Hab ich für gesorgt, früher wurden die eingeschläfert- ja, ich mache echten Tierschutz!

Zugegeben, bei Insekten bin ich ja nicht so pingelig. Ich weiß zwar, dass die nützlich sein sollen, aber eine Spinne oder Wespe in der Wohnung- kommt nicht in Frage! Die schlag ich tot, sind eklig und wenn die sticht? Es ist schon mancher am Wespenstich gestorben, bin schließlich Allergiker! Die Vögel fressen schließlich auch Mücken oder meinst du vielleicht, ich soll mich anders als Vögel verhalten?

Was ich als Tierfreund aber gar nicht abkann, das sind ja diese so genannten Tierschützer. Diese Typen habe selber jahrelang Fleisch gegessen, erzählen dir, dass sie das Perverse ihres Tuns erkannt haben und sich deshalb geändert haben- sollen die doch machen, was geht's mich an- und wollen mir jetzt einreden, Tiere haben das gleiche Lebensrecht wie wir Menschen.
Also die spinnen ja, diese militanten Fanatiker, Tier ist Tier und Mensch ist Mensch. Können die Viecher vielleicht denken wie wir? Siehste, können sie wahrscheinlich nicht! Aber Leiden und Schmerzen empfinden und schreckliche Angst beim Transport auf den Schlachthof- kann ja sein, kann ich nicht beurteilen, aber dafür haben wir ja schließlich Gesetze. Und eins sag ich euch noch. Ich liebe Tiere und tue alles für sie, aber ich kann mich deswegen ja nicht außerhalb der Gesellschaft stellen, mich schief angucken lassen. Was soll ich unseren Freunden sagen, wenn ich nicht zum Grillfest komme oder nur Salat esse? Geht doch wohl nicht, lass´ mich doch nicht auslachen und dumm anquatschen!

Diese Irren, also die Tierschützer- hab ich gehört- finden ja sogar die Jagd, ein Jahrhunderte altes deutsches, was sag ich, menschliches Kulturgut- abwegig und wollen das abschaffen. Die Rehe und Wildschweine haben es doch wirklich gut im Wald, werden gehegt und gepflegt, dann kann es wohl nicht schlimm sein, wenn ich Weihnachten Kitzbraten mit Maronen esse, wenigstens einmal im Jahr und ein Glas Spätburgunder dazu, schmeckt echt lecker! Der Schuss kommt ja mit dreifacher Schallgeschwindigkeit, also ist das Reh schon tot, bevor es was hört- verstehst du das, geht schmerzlos, ist doch optimal für das Tier!

Noch eins zum Schluss. Wir können trotzdem froh sein- und damit meine ich auch unsere Tiere- dass wir in Deutschland sind. Geh mal ins Ausland, da ist alles viel schlimmer, hier ist alles gut organisiert und geregelt. Sollen doch erstmal die anderen Länder unseren Standard erreichen, solange muss ich mich ja wohl nicht ändern. Wo findest du denn zum Beispiel in Griechenland so engagierte Tierfreunde wie mich, kennst du einen?

Hast du den typischen Tierfreund erkannt oder gar dich selbst?

Hast du immer noch Hoffnung, dass sich Vernunft, Ethik und Mitgefühl, freies, eigenständiges Denken statt angepasstem Mittreiben in der tumben Masse, Verantwortung für das Ganze statt Egoismus durchsetzen?

Armer Irrer, die Erde trudelt ins Chaos und erstickt an der dem Menschen innewohnenden Verlogenheit, an der Unfähigkeit und dem fehlenden Willen sich zu ändern, an seiner Überheblichkeit, Gefühllosigkeit - kurzum, sie erstickt an der Dummheit der Menschen - das aber hoffentlich schnell!

Quod erat demonstrandum

 

Fellbeißer

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LANDESTIERSCHUTZBEAUFTRAGTE HESSEN – Presseinformation vom 05.02.2015

Wiesbaden, den 5. Februar 2015

Landestierschutzbeauftragte stellt neues Material zum Thema Tierschutz vor und weist auf Tierschutzschulpreis 2015 hin

Postkarten und E-cards jetzt verfügbar

Die Landestierschutzbeauftragte, Madeleine Martin, will künftig verstärkt besonders Kinder und Jugendliche noch besser über Tierhaltung und Tierschutz aufklären und dazu motivieren, sich in diesem Bereich zu engagieren.
Um dies zu unterstützen, hat die Hessische Landesregierung erneut den Schulpreis für den Tierschutz 2015 ausgeschrieben. Ausgezeichnet werden Lehrer und Schüler, die sich überzeugend und ausdrucksstark den Fragestellungen zum Tierschutz sowie dem Verhältnis von Mensch und Tier beschäftigen.
Der Preis ist unter Vorbehalt der Zurverfügungstellung der entsprechenden Haushaltsmittel mit insgesamt 10.000 Euro dotiert und kann geteilt vergeben werden.

                                               Einsendeschluss ist der 24. Juli 2015.


„Tierschutz im Unterricht leistet einen wichtigen Beitrag zu einer mitfühlenden und verantwortungsvollen Lebenshaltung und sollte daher in keiner Klasse fehlen“, so Martin heute in Wiesbaden.

Weitere Informationen zur Preisauslobung sind erhältlich bei der Landesbeauftragten für Tierschutz, Dr. Madeleine Martin, E-Mail: tierschutz@umwelt.hessen.de und stehen auch unter der Rubrik ‚Wir über uns’ auf www.tierschutz.hessen.de zum Download bereit.

Einer der Hauptpreisträger der letzten Verleihung für herausragende künstlerische Arbeiten war der Kunst-Orientierungskurs der 11. Klasse der Ricarda-Huch-Schule aus Gießen. Hier wurden künstlerisch ausdrucksstarke Postkarten entworfen. Diese sind ab sofort sowohl als E-card unter ( www.tierschutz-ecards.de/ ) sowie auch als klassische Postkarte neben vielen anderen Tierschutzmaterialien unter www.tierschutz.hessen.de (Rubrik Infomaterial) bei der Landestierschutzbeauftragten zu beziehen.

Die Bestelladresse lautet:

Büro der Landesbeauftragten für Tierschutz
Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Mainzer Straße 80
65189 Wiesbaden
E-Mail:
tierschutz@umwelt.hessen.de

 

 

Erstaunlich, wie gut einzelnen Tieren geholfen werden kann – so wie diesem Pferd

 

Fotos: http://fundacjatara.info/konie,en,horses.html

Video: https://www.facebook.com/video.php?v=1633415717747

Allerdings wird die Situation für fast alle Tiere insgesamt immer schlimmer. Der Tierschutz insgesamt ist gescheitert, so wichtig er für das Wohl einzelner Tiere auch sein mag. Dieses Scheitern geschieht zwangsläufig. Denn die Bemühungen um eine Reform und „Humanisierung“ der Tierausbeutung, der Massentierhaltungen und der Tiermorde in den Schlachthäusern werden zu immer mehr Tierausbeutung und zu immer mehr Tiermorden führen. Denn der Tierschutz macht sich so zum Kumpanen der Tierindustrie, indem er die Tierausbeutung und den Tiermord nicht grundsätzlich in Frage stellt, sondern sie mit seinen Reformbemühungen sogar (ungewollt) fördert. Denn so signalisiert es den Konsumenten, dass sich der Tierschutz um die Tiere kümmert, die Ausbeutung der Tiere grundsätzlich in Ordnung sei und dass man mit gutem Gewissen Tierqualprodukte konsumieren kann. Die Folgen sind klar ersichtlich: Es werden immer mehr Tierqualprodukte konsumiert, mehr geschlachtet, mehr grausamste Tierversuche durchgeführt, mehr Pelz getragen, mehr Massenmord an Strassenhunden begangen usw. usw. Der Tierschutz selbst kann nur eine winzige Spitze des Eisbergs dieses Tierleids überhaupt erkennen und noch viel weniger Tieren überhaupt helfen. Die schiere Masse der geschunden Tiere ist einfach überwältigend – im negativen Sinn.  

Die Folgen der Verbrechen durch Menschen wirken schon jetzt auf den Menschen selbst zurück. Der gigantische Konsum von Tierqualprodukten führt zu den bekannten chronischen Erkrankungen wie Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Arteriosklerose, Demenz, Alzheimer, Diabetes usw. Die Tierindustrie ist für mindestens 51 % der klimaschädlichen Treibhausgase verantwortlich. Wenn daran nichts verändert wird, dann wird die Klimakatastrophe und damit die Zerstörung der Lebensbedingungen auf der Erde ungebremst weitergehen, gleichgültig wie viele Treibhausgase man z. B. beim Verkehr einspart. Die Böden und das Grundwasser in den Gebieten mit Massentierhaltungen sind bereits verseucht. Bald wird es keine wirksamen Antibiotika mehr geben, weil besonders durch den Masseneinsatz von Antibiotika in den Massentierhaltungen massenhaft Resistenzen entstanden sein werden. Jeden Tag sterben zwischen 6.000 und 43.000 Kinder an Hunger, während ca. 50 % der weltweiten Getreideernte und ca. 90 % der weltweiten Sojaernte an die gequälten und missbrauchten Tiere verfüttert werden. 80 % der hungernden Kinder leben in Ländern, die einen Nahrungsüberschuss produzieren, doch die Kinder bleiben hungrig und verhungern, weil der Getreideüberschuss an Tiere verfüttert bzw. exportiert wird.

Deshalb ist eine „Humanisierung“ dieses verbrecherischen Systems des Grauens der falsche Weg. Wir brauchen ein völlig neues System, dass auf Respekt und Achtung der Tiere und der Natur aufbaut. Sonst wird die Menschheit an ihren eigenen Verbrechen zugrunde gehen.

Dabei muss jeder bei sich selbst anfangen. Jeder persönlich steht in der Verantwortung und Pflicht. Vegan zu werden, ist die minimale Basis.  

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du in der Welt sehen willst.“ Mahatma Gandhi

Das müssen Pferde aushalten, die zu Sportgeräten degradiert und malträtiert werden:

 

Ohne Worte .......trotzdem verständlich!

 

Skandal in Schweinemastbetrieb:                                                                                                                                               Tiere unter desaströsen Bedingungen gehalten

                                             Brisant | 05.03.2015 | 17:15 Uhr

 

Nach Recherchen des MDR-Magazins "Exakt" gibt es erneut schwere Vorwürfe gegen einen Schweinezuchtbetrieb in Sachsen-Anhalt. Tierschützer beschuldigen die "Gut Klein Wanzleben Schweinezucht GmbH", mehrfach gegen das Tierschutzgesetz verstoßen zu haben. Sie berufen sich dabei auf selbst produzierte Filmaufnahmen, die "Exakt" vorliegen.

"Die Kastenstände sind nur 50 cm breit, also noch viel schmaler als das gesetzlich erlaubt ist. Das Licht ist in allen Nächten, in denen das Filmteam dort war taghell an gewesen. Und es war auch kein Wasser auf den Nippeltränken."

Erasmus Müller, ARIWA e.V.

 

Die Aufnahmen aus Klein Wanzleben dokumentieren Dreck und Fäkalien.

Vertreter von Animal Rights Watch (ARIWA) hatten die Anlage der Gut Klein Wanzleben Schweinezucht GmbH mehrfach heimlich besucht und Filmaufnahmen der Stallung gemacht. Sie zeigen Tiere, die auf engem Raum in Fäkalien stehen oder liegen. ARIWA-Aktivist Erasmus Müller sagte im MDR-Interview, die Kastenstände seien nur 50 Zentimeter breit und damit viel schmaler als gesetzlich erlaubt. "Das Licht ist in allen Nächten,  in denen das Filmteam dort war, taghell an gewesen", so Müller. Zudem hätten die Tiere kein Trinkwasser gehabt.

Landwirtschaftsministerium bestätigt Vorwürfe

Der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums von Sachsen-Anhalt bestätigte die Richtigkeit der Vorwürfe. Detlef Thiel gegenüber "Exakt": "In der Anlage herrschen schlimmste Zustände!" "Exakt" hatte zuvor Landwirtschaftsminister Onko Aeikens mit den Zuständen in der Anlage "Gut Klein Wanzleben Schweinzucht GmbH" konfrontiert. Er versprach eine schnelle Aufklärung. Daraufhin fand laut Ministerium eine mehrstündige Durchsuchung der Anlage statt, an der zehn Veterinäre des Landesverwaltungsamtes und des Bördelandkreises beteiligt waren.

Tiere im Elend

Immer wieder decken Ermittler derzeit Verstöße bei der Massentierhaltung auf. Jetzt gerät das Gut Klein Wanzleben ins Visier, nachdem Tierschützer dort heimlich filmten.

 04.03.2015, 20:15 Uhr | 06:32 min Quelle: exakt  MDR 

 

 

 

Lesen Sie zu diesem Thema auch unter der Rubrik "Albert-Schweitzer-Stiftung" von der durchgeführten Info-Aktion in verschiedenen deutschen Städten.

Wir Verbraucher haben die Macht, dass solche Zustände in der Tierhaltung Vergangenheit werden!

 

Süddeutsche Zeitung

30. März 2015, 18:51 Uhr

 

Tierschutz Klein, flauschig, tot

Von Daniela Kuhr, Berlin

Hühnerküken werden nach dem Schlüpfen nach Geschlecht sortiert. 

Die jungen Männchen werden getötet. Das soll sich ändern.

(Foto: Philipp Schulze/dpa)

 Millionen männliche Küken müssen sterben, weil sie für Mast und Zucht nicht geeignet sind. Forscher bieten einen Ausweg. Zu spät, sagt der NRW-Agrarminister.

Könnte man in das Ei hineinsehen, würde man noch nichts erkennen. Es ist gerade erst vor drei Tagen gelegt worden. Doch mit Hilfe eines Lasers lässt sich ein winziges Loch in die Schale schneiden, dann wird das gestreute Licht an den Blutzellen analysiert und das Geschlecht des heranwachsenden Kükens bestimmt. Wie bitte? Das ging jetzt zu schnell? Das war für Laien unverständlich? Macht nichts. Hauptsache, die Methode funktioniert und beendet das Leid von Millionen flauschiger, kleiner Küken.

Dieses Leid ist eines der ganz dunklen Kapitel in der deutschen Landwirtschaft, wie sie bundesweit täglich betrieben wird: Da bei der Zucht und Haltung von Legehennen kein Bedarf an männlichen Nachkommen besteht und diese Tiere aber andererseits auch für die Mast nicht geeignet sind, weil sie zu wenig Fleisch ansetzen, werden männliche Küken unmittelbar, nachdem sie aus dem Ei geschlüpft sind, aussortiert und getötet. Entweder landen sie im Schredder oder sie werden mit Kohlendioxid vergast. Auf diese Weise verlieren in Deutschland jährlich 40 bis 50 Millionen Küken, auch Eintagsküken genannt, ihr Leben. Das gilt für konventionelle Betriebe genauso wie für die meisten Biobetriebe, da das Aussortieren und Kükentöten bereits in der Brüterei stattfindet und die Tiere erst danach an die Legehennenhalter ausgeliefert werden.

Um das Elend zu beenden hat das Bundeslandwirtschaftsministerium bereits 2008 begonnen, Forschungen zu unterstützen, bei denen Methoden zur frühzeitigen Geschlechtsbestimmung entwickelt werden. Ziel ist, nicht mehr abzuwarten, bis die Tiere geschlüpft sind, sondern bereits im Ei das jeweilige Geschlecht ermitteln zu können. Und zwar je früher desto besser, damit das Ei dann beispielsweise für Tierfutter verwendet werden kann und der Hühnerembryo noch nicht schmerzempfindlich ist. Am Montag fuhr Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) selbst zur Universität nach Leipzig, um sich über den Stand des Forschungsprojekts zu informieren. Nach dem Besuch stellte er zufrieden fest: "Wir sind jetzt so weit, sagen zu können: Ja, es funktioniert und es gibt Alternativen, das Töten von Küken zu beenden."

Etwas Geduld wird man aber noch aufbringen müssen. Denn das, was die Forscher dem Minister in dem Labor in Leipzig vorgeführt haben, ist noch weit davon entfernt, praxisreif zu sein. Und so kündigte der Minister denn auch nur an: "Bis Ende 2016 wollen wir einen Prototypen für ein Gerät haben, das das Geschlecht im nur drei Tage bebrüteten Ei bestimmt und die Eier entsprechend automatsch sortiert." Sei ein solches Gerät aber erst einmal auf dem Markt, gebe es "für Brütereien keine Rechtfertigung mehr, männliche Küken auszubrüten und zu töten". Sein Ziel sei, so Schmidt weiter, "dass das Kükenschreddern 2017 aufhört". Allerdings müsse die Wirtschaft mithelfen.

"Ein Verbot ohne Alternative würde die Kükentötung lediglich ins Ausland verlagern."

Wie es um die "Hilfsbereitschaft" der Wirtschaft bestellt ist, damit hat Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftminister Johannes Remmel (Grüne) seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht. Er gehört zu den Politikern, die im Zweifelsfall nicht lang fackeln, sondern einfach mal machen. Und so hatte Nordrhein-Westfalen bereits Ende 2013 das massenhafte Töten männlicher Küken kurzerhand untersagt. Ein Jahr, bis Anfang 2015 also, gab Remmel den zwölf Brütereien in seinem Bundesland Zeit, um sich darauf einzustellen. Doch die dachten gar nicht daran, den Minister bei seinem Versuch, sich als Tierschützer zu profilieren, zu unterstützen. Stattdessen klagten sie gegen das Verbot - und bekamen im Februar dieses Jahres vor dem Verwaltungsgericht Minden recht.

Das Problem sei, so die Verwaltungsrichter, dass das Verbot "einen erheblichen Eingriff in die Berufsfreiheit der Betreiber von Brütereien" darstelle. Dafür benötige man eine gesetzliche Rechtfertigung, die das gegenwärtige Tierschutzrecht jedoch nicht hergebe. Zumal die Brütereien derzeit keine "praxistauglichen Alternativen zur Tötung der männlichen Küken hätten". Remmel hat das Urteil angefochten, eine Entscheidung steht noch aus. In jedem Fall aber sieht er nun den Bundeslandwirtschaftsminister in der Pflicht: Schmidt müsse das Tötungsverbot umgehend gesetzlich verankern und das Tierschutzgesetz ändern. Er dürfe nicht mehr "auf Zeit" spielen und sich "hinter wohlklingenden Absichtsbekundungen und Forschungsvorhaben" verstecken. Was Remmel nicht verrät: Wie er damit umgehen will, dass die Brütereien derzeit gar keine Alternative haben. Darauf angesprochen sagt seine Sprecherin: Die Brütereien seien aufgefordert, sich dazu "Gedanken zu machen und Alternativen zu entwickeln".

Es gibt hier also zwei Minister, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber dasselbe Ziel verfolgen: nämlich das massenhafte Kükentöten schnellstmöglich zu beenden. Doch während der grüne Landwirtschaftsminister Remmel meint, man müsse es einfach verbieten und die Wirtschaft auf diese Weise unter Druck setzen, damit sie eine Lösung für das Problem findet, setzt der CSU-Landwirtschaftsminister Schmidt darauf, erst einmal eine Lösung zu finden - und dann das Kükentöten zu verbieten. Denn: "Ein Verbot ohne Alternative würde die Kükentötung lediglich ins Ausland verlagern", ist er überzeugt.

Die neue Methode der frühzeitigen Geschlechtsbestimmung wird allerdings die Produktion von Eiern insgesamt verteuern. Schmidt geht aber davon aus, dass sich das in Grenzen halten wird. Der Preis für ein Ei werde um maximal ein bis zwei Cent steigen, sagte er der Bild-Zeitung. Derweil fordert die Geflügelwirtschaft Finanzhilfen von Bund und Ländern, um den Brütereien den Ausstieg aus der Kükentötung zu erleichtern. Gerade kleinere Betriebe könnten sich sonst die Anschaffung der neuen Geräte zur frühzeitigen Geschlechtsbestimmung nicht leisten, fürchtet Friedrich-Otto Ripke, Präsident der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft.

 

Büffelmozzarella: Käse mit Blut

 

Echter Büffel - Mozzarella aus Italien gilt als Luxusprodukt. Doch das Geschäft hat eine brutale Seite. 

DIE ZEIT  Januar 2015   von Georg Etscheit 

 Den Beamten des Corpo Forestale bot sich ein trauriges Bild. Auf einer kampanischen Wasserbüffelfarm unweit des Küstenortes Castel Volturno fanden sie die Kadaver von vierundzwanzig ausgewachsenen Büffeln und einem Kalb, in "fortgeschrittenem Verwesungszustand". Die Tiere seien verhungert, teilte die Behörde, die in Italien über die Einhaltung von Tierschutzbestimmungen wacht, im Frühjahr vergangenen Jahres der Öffentlichkeit mit. Zuletzt hatten sich die Büffel nur noch von dem wenigen Grün ernährt, das wild auf der Farm wuchs. Zu wenig zum Überleben.

"Cimitieri dei bufali" – Büffelfriedhöfe – sind die dunkle Seite des in aller Welt berühmten und begehrten Mozzarella di bufala. Meist handelt es sich bei den getöteten Tieren um wenige Tage oder Wochen alte männliche Büffelkälber. Weil sie keine Milch geben und ihr Fleisch niemand essen mag, haben die Bauern kein Interesse an ihrer Aufzucht. Die Tiere einfach verhungern zu lassen sei eine "weit verbreitete Praxis" speziell im Gebiet von Castel Volturno mit seinen zahlreichen Zuchtbetrieben, stellt der Corpo Forestale fest. Jeder Tag, den die Kälber mit Muttermilch oder verflüssigtem Milchpulver gepäppelt werden müssen, ist einer zu viel. Damit niemand das Brüllen der hungrigen "Abfall-Kälber" hören kann, wird ihnen schon mal das Maul zugebunden. Manche Bauern sollen die Tiere sogar in Gülle ertränken.

Die systematische Tötung junger Büffel erinnert an das massenhafte Schreddern männlicher Eintagsküken in der Eierproduktion. Zumindest in Deutschland wird diese Praxis jedoch zunehmend hinterfragt. Im April einigten sich die Landwirtschaftsminister von Bund und Ländern darauf, das alltägliche Küken-Massaker "schnellstmöglich" zu stoppen. Jedes Jahr werden derzeit in Deutschland noch etwa 50 Millionen Küken getötet. Ganz legal. Dagegen nimmt sich die Zahl der getöteten Büffelkälber zwar überschaubar aus. Doch am Skandal, lebende Wesen wie Müll zu behandeln, ändert das wenig.

Rund 380.000 Büffel werden in Italien gehalten, meist für die Produktion der fetten, nahrhaften Büffelmilch, Rohstoff des Mozzarella di bufala. Um Milch zu geben, muss eine Kuh jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Etwa die Hälfte dieser Kälber sind männlichen Geschlechts. Die Zahl der Tiere, die entsorgt werden müssen, ob legal im Schlachthof oder illegal, ist sechsstellig. Allein in Kampanien sollen pro Jahr etwa 50.000 männliche Büffelkälber zur Welt kommen, schreibt die Tierschützerin Lorie Esser in ihrem Blog. Sie stützt sich auf Angaben einer in Kampanien lebenden deutschen Tierärztin, die sich gegenüber der ZEIT aber nicht äußern will. Erst 20 Tage nach ihrer Geburt können die Tiere legal zum Schlachthof gebracht werden. Dann ist die Wunde der abgetrennten Nabelschnur verheilt, sind sie nach dem Gesetz transportfähig. Viele Bauern scheinen ihnen nicht einmal diese Frist gewähren zu wollen.

Die internationale Tierschutzorganisation Vier Pfoten hatte im August den Skandal öffentlich gemacht und ein Video veröffentlicht, das schaurige Szenen aus süditalienischen Büffelzuchtbetrieben dokumentieren soll. "Egal, ob die kleinen Büffel nun illegal entsorgt oder legal schon wenige Tage nach der Geburt geschlachtet und bestenfalls zu Hundefutter verarbeitet werden: Tiere als Abfall zu betrachten ist völlig unethisch", sagt Elisabeth Penz von Vier Pfoten. "Noch dazu im Zusammenhang mit einem Produkt, das zu stattlichen Preisen als Luxusartikel vermarktet wird." Die Tierschützer machten österreichische und deutsche Supermarktketten auf die Praxis aufmerksam. Kaufland kündigte daraufhin an, "gemeinsam mit Vier Pfoten eine Verbesserung der Haltungsbedingungen von Büffeln herbeizuführen".

Unweit von Cancello ed Arnone nähern wir uns einer Büffelfarm. Im nahen Flüsschen Volturno, so ein Rechercheur, der mit der Situation vor Ort vertraut ist, seien in der Vergangenheit immer wieder Büffelkadaver gefunden worden. Erinnerungen an China werden wach, wo im März 2013 Tausende tote Schweine in einem Fluss trieben. Die Kadaver, die ein Zuchtbetrieb in dem Gewässer entsorgt hatte, drohten das Trinkwasser von Shanghai zu verseuchen.

Betonmauern umgeben die Farm. Um hineinzukommen, geben wir uns als Touristen aus, die Büffel-Mozzarella gekauft hätten und sehen wollten, wo die Milch dafür herkomme. Die durchweg männlichen Mitarbeiter der azienda scheinen arglos und führen uns zum Stall, der verwahrlost aussieht. Vor ein paar Stunden erst hat eine Büffelkuh ein Kalb geboren. Es ist noch feucht, die Mutter leckt es ab.

Welches Geschlecht es habe, wollen wir wissen. "Maschile", sagt einer der Männer. Es klingt wie ein Todesurteil. Dann entdecken wir auf dem mit Kot und Urin bedeckten Betonboden ein weiteres Kalb, das regungslos daliegt. "È morto", sagt einer der Männer ohne Anteilnahme. Als wir bemerken, dass das Tier noch atmet, weisen wir den Mann darauf hin. Er reagiert nicht, gestattet uns jedoch, die Szene zu fotografieren. Noch einem zweiten Kalb scheint es schlecht zu gehen. Es hockt zitternd auf dem Boden. Ein Mitarbeiter richtet es unsanft auf, um es in einen anderen Teil des Stalles zu treiben.

Die Hochglanzprospekte der Industrie zeigen Büffel auf grünen Wiesen

 

Wir sehen ein erwachsenes Tier mit einem völlig zersplitterten Horn. Und eine Gruppe junger Büffel, die sehr eng nebeneinander stehen. "Büffel brauchen viel Platz. Sonst haben sie Stress, was sich sofort auf die Milchleistung auswirkt", erläutert Hannah Zedlacher, die ebenfalls für Vier Pfoten arbeitet und der wir die Fotos aus dem Stall vorlegen. "Wasserbüffel sind sehr ursprüngliche und sensible Tiere und haben bei der Haltung höhere Anforderungen als Kühe."

Die Gegend um Caserta, die alte Residenzstadt der Bourbonen, ist Mozzarella-Land. Einst dienten die Büffel in den sumpfigen Niederungen als Arbeitstiere. Ihr Fleisch und ihre Milch wurden von Bauern konsumiert. Heute ist Mozzarella ein weltweit gehandeltes Trendprodukt. An vielen Straßen reiht sich eine Käserei an die andere. Die caseifici machen durch grelle Reklamen auf sich aufmerksam. Ihre Sortimente ähneln sich. Neben frischem Mozzarella di bufala in Salzlake in kleinen und größeren Kugeln und in Zopfform gibt es Büffel-Ricotta, eine Art Quark, und Scamorza, einen pikanten Hartkäse aus Büffelmilch. Alles in der weißen und der geräucherten Variante.

Die Büffelfarmen erkennt man an den nach mehreren Seiten offenen Ställen mit ihren rostigen Wellblechdächern, die den Tieren als Sonnen- und Wetterschutz dienen. Wasserbüffel auf der Weide sieht man nie. Das liegt zum einen daran, dass es kaum noch offenes Grünland gibt in diesem dicht besiedelten, von zahlreichen Straßen und Wegen zerschnittenen Landstrich rund um die Millionenstadt Neapel. Außerdem hat die Branche der Büffelhalter in den letzten Jahrzehnten eine Phase der Intensivierung und Konzentration durchlaufen. Wie bei der Milchviehhaltung überall in Europa ist es effizienter, die Tiere im Stall zu halten und das Futter heranzukarren, als sie selbst grasen zu lassen und sie immer wieder zu den Melkständen bringen zu müssen.

Die Hochglanzprospekte des Consorzio di Tutela della Mozzarella di Bufala Campana DOP, jener Organisation, welche die geschützte europäische Herkunftsbezeichnung "Mozzarella di bufala campana" verwaltet und über die Einhaltung der Qualitätsstandards wacht, zeigen etwas anderes. Dort sieht man Büffel auf grüner Wiese und Tiere, die sich, wie es ihrer ursprünglichen Lebensweise entspricht, genüsslich in einem Wasserloch suhlen. Werbe-Romantik. In der Realität gönnt man ihnen als Ersatz für das Schlammbad, das den wärmeempfindlichen Tieren nicht nur Kühlung, sondern auch Schutz gegen lästige Parasiten und Fliegen verspricht, oft nur einen Wassernebel aus der Sprinkleranlage.

Wieder einmal kämpfen die Mozzarella-Erzeuger um ihren Ruf. Erst 2007 waren Zehntausende Büffel an der auch für Menschen gefährlichen Brucellose erkrankt und mussten getötet werden. Die Seuche hatte sich im Großraum Neapel wohl auch deswegen so stark ausgebreitet, weil die Camorra die Mozzarella-Produktion unterwandert, Amtstierärzte eingeschüchtert und Schlachtungen verhindert hat. Ein Jahr später wurden in Büffelmilchproben Spuren des Nervengiftes Dioxin gefunden. Offenbar stammte es aus Haus- und Giftmüll, den Mafiaclans vor allem in der Provinz Caserta über Jahrzehnte illegal vergraben hatten. Manchmal fingen diese "schwarzen" Deponien Feuer, und giftige Rauchschwaden zogen übers Land. Mehrere Länder verhängten einen Einfuhrstopp für Büffel-Mozzarella. Bei Bauern und Käsereibesitzern ging die Existenzangst um.

Doch die Krisen verursachten immer nur Dellen in der Statistik. Regelmäßig erholte sich das Geschäft wieder. Heute wird mehr Mozzarella produziert als je zuvor. In den vergangenen knapp zwanzig Jahren hat sich die Produktion von Mozzarella di bufala campana auf 37.000 Tonnen fast verdreifacht. Auch der Export ist stetig gewachsen. Er liegt heute bei etwa 25 Prozent. Am meisten Appetit auf Mozzarella außerhalb des Erzeugerlandes haben Franzosen, Deutsche und US-Amerikaner. Die steigende Beliebtheit von Büffel-Mozzarella im Ausland mildert ein wenig die wegen der Wirtschaftskrise und sinkender Kaufkraft stockende Nachfrage im eigenen Land. Doch vor allem die Deutschen sind sensibel, wenn es um Fragen von Umweltschutz und Tierwohl geht. Jeder neue Skandal kann die Umsätze dort einbrechen lassen. Davor fürchten sich die Produzenten.

Antonio Lucisano wirkt, als wäre er von der Kampagne der Tierschützer wenig begeistert. Man nehme die Klagen ernst, versichert der Geschäftsführer des Consorzio di Tutela della Mozzarella di Bufala Campana DOP, ein eleganter älterer Herr, der uns in seinem Büro in einem Vorort von Caserta empfängt. Für die Einhaltung der Tierschutzbestimmungen sei der Staat zuständig, sagt Lucisano: "Doch die Behörden tun zu wenig, uns sind da die Hände gebunden."

Die Milch der Tiere ist teuer, ihr Fleisch jedoch will niemand kaufen

 

Überall in den Räumen des Konsortiums hängen Werbeplakate mit blendend weißem Mozzarella. Das Konsortium kümmere sich um die Einhaltung der Produktqualität, sagt Lucisano. Und man habe schon genug Ärger mit Produktpiraten in aller Welt und einer für den Verbraucher verwirrenden Gesetzeslage. So muss nur DOP-Mozzarella aus hundert Prozent Büffelmilch hergestellt werden. Einfacher Mozzarella di bufala indes darf durchaus große Anteile Kuhmilch enthalten – auch ohne Panschereien durch die Mafia. Den Einfluss der Clans aufs Mozzarella-Geschäft spielt Lucisano herunter. Außerdem gebe es einen Ethikkodex des Konsortiums, nach dem jeder Betrieb eine Art Unbedenklichkeitsbescheinigung vorlegen muss. Was aber ist mit der Tötung der männlichen Büffel? Lucisano weicht aus. "Wir wissen nicht genau, wo das Video der Tierschützer entstanden ist", antwortet er. "Soweit wir wissen, gehört die Farm aber nicht zum Konsortium."

Lebensmittel sind einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Italiens. Parmesankäse, Parmaschinken und Mozzarella mit kontrollierter Herkunftsangabe rangieren ganz vorne auf der Beliebtheitsskala. Der trotz seines hohen Fettgehaltes – Büffelmilch ist dreimal so fett wie Kuhmilch – leicht wirkende Frischkäse passt perfekt zu den Ernährungsgewohnheiten der Wellnessgesellschaft. Während der oft geschmacksneutrale Industriemozzarella aus Kuhmilch zu Billigstpreisen angeboten wird, hat der aromatischere echte Mozzarella di bufala campana seinen Preis. Auf dem Münchner Viktualienmarkt kostet das Kilo etwa 25 Euro, aus der exklusiven Käsetheke von Manufactum sogar 40 Euro. Büffelmilch ist kostbar, zumal Büffel nur etwa ein Viertel oder ein Drittel der Milchleistung von Kühen erreichen.

Nur das Fleisch der Büffel will keiner kaufen. Dabei gilt es als ausgesprochen gesund. Es hat wenig Fett und schädliches Cholesterin, dafür ist es reich an Proteinen und Eisen. Vor allem für Kinder, ältere Menschen und Sportler könne das Fleisch ein wertvoller Ernährungsbestandteil sein, sagt Angelo Coletta, Direktor des Nationalen Büffelzüchterverbandes in Caserta. "Wir haben hier pures Gold, nutzen es aber nicht." Die Schuld gibt Coletta der EU, die Italien und seine Büffelzüchter im Stich lasse. Sie stelle weder Subventionen noch Mittel für eine Marketingkampagne bereit. "Niente", sagt er.

Auch Vier Pfoten fordert die EU auf, mit finanziellen Beihilfen an der Lösung des Problems zu arbeiten. Direkt zum Kauf von Büffelfleisch auffordern möchte die Organisation allerdings auch nicht. Sie fürchtet einen Proteststurm – viele ihrer Mitglieder und Sympathisanten haben sich einer veganen Lebensweise verschrieben.

In Kampanien, dieser widersprüchlichen Region am Südrand Europas, wo Tieren traditionell weniger Empathie entgegengebracht wird als im Norden, gibt es natürlich auch Farmen, in denen es den Büffeln vergleichsweise gut geht. Mit der Tenuta Vannulo in Paestum am südlichen Rand der DOP-Region gibt es sogar einen Öko-Vorzeigebetrieb. Dessen Ställe mit etwa 500 Büffeln sind für jedermann frei zugänglich. Die Tiere sind scheu, aber doch neugierig, sie haben ausreichend Platz und können sich aussuchen, wann sie gemolken werden. Mit leisem Zischen verrichtet hier ein Melkroboter seinen Dienst.

Und dann gibt es noch Rosa-Maria Wedig. Vor mehr als 30 Jahren lernte die Hannoveranerin einen Medizinstudenten kennen, der im Cilento, südlich von Salerno, einen Büffelhof erbte. Zusammen verschrieben sie sich der Büffelzucht, gründeten eine Genossenschaft, um die Verhandlungsmacht der Bauern gegenüber der Milchindustrie zu stärken. Sie bauten einen Gemeinschaftsstall und errichteten eine Molkerei. Jeden Tag kämpft die zierliche, energische Frau gegen die Bürokratie, die Überheblichkeit vieler Männer hier, gegen die Camorra, die kleineren und größeren Ungerechtigkeiten im Mezzogiorno. Und für einen besseren Umgang mit den Tieren.

Ställe und Molkerei der Genossenschaft Rivabiancha liegen nahe den Tempelruinen des antiken Paestum. Auf historischen Stichen sind auch Wasserbüffel zu sehen, die zwischen den Ruinen umherstreifen. Rosa-Maria Wedig klagt nicht über die Behörden. "Ganz untätig ist der Staat nicht", sagt sie. Die Situation der männlichen Kälber habe sich sogar leicht gebessert, seit die Bauern für jedes Tier, das sie ordnungsgemäß zum Schlachter bringen, eine Prämie von fünf Euro bekommen. Viel wichtiger sei es, endlich den Verbrauch von Büffelfleisch anzukurbeln.

In der Käserei hängt ein Plakat des Consorzio Alba, das die Interessen der kleinen Branche der Büffelmäster vertritt. Und in der Kühltheke gibt es neben den bekannten Mozzarella-Variationen auch Büffelfleisch, Büffelschinken und Büffelsalami. "Ein wenig steigt der Verbrauch schon an", sagt Rosa-Maria Wedig. Doch es braucht wohl noch viele weitere Schritte, bis man Mozzarella di bufala wieder ohne schlechtes Gewissen essen kann. Auf der Pizza oder mit Tomaten und frischem Basilikum.

Wo kommen eigentlich die ganzen Tiere in Baumärkten und Zoofachhandel her, wer produziert sie?

Peta Deutschland hat recherchiert, hier das Ergebnis:

 

Das ist die Realität, es geht wie immer um Verdienst, nicht um das Wohl von Tieren. Bitte unterstützen Sie nicht dieses Tierelend durch unüberlegte Käufe in Zoo- und Gartenmärkte. Danke!

Ein sehr informativer Bericht von "Ärzte gegen Tierversuche"

 

 

 

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